Generalprobe gelungen
Blogpost Nr.4

Generalprobe gelungen

Na, der Donau­rad­weg geht da links lang“, meint Vivia­ne. Stef­fen dar­auf: „Du meinst den Boden­see­rad­weg“. „ Oh, stimmt“. So ging das sicher zehn Mal wäh­rend der letz­ten zwei Tage. Vivia­ne war also schon mit Gedan­ken auf der Welt­rei­se. Aller­dings war am Wochen­en­de vor­erst die Gene­ral­pro­be ange­sagt: Ein­mal um den Boden­see – 220 km in 2 Tagen mit 12,5 Stun­den rei­nem Gestram­pel.

Los ging’s am Sams­tag früh – Die ers­te Etap­pe führ­te uns an der Aach ent­lang. Die­se ent­springt eini­ge Kilo­me­ter von Sin­gen ent­fernt in der größ­ten Quel­le Deutsch­lands. Ein Teil des Aach-Was­sers kommt übri­gens aus der Donau – viel­leicht hat­te Vivia­ne des­we­gen die gan­ze Zeit den Donau­rad­weg im Kopf.

Die grün-bewach­se­ne Aach haben wir rela­tiv schnell links lie­gen gelas­sen und sind über die Schwei­zer Gren­ze (übri­gens ohne Vivi‘s Per­so, wie sich zurück in Sin­gen her­aus­stell­te). Die ille­ga­le Ein­wan­de­rin hat sich aber nichts anmer­ken las­sen und ist flei­ßig auf ihrem Velo auf dem Velo­weg geve­lot. Die ers­ten Kilo­me­ter sind rich­tig geflutscht- kei­ne Beschwer­den, wenig Gere­de.

Es ging über den Rhein in Stein am Rhein über Stock und Stein bis zum Rhein. Ja genau, wir sind von der Stel­le, an der der Rhein aus dem Boden­see raus­fließt, bis zu der Stel­le, an der der Rhein in den Boden­see rein­fließt gefah­ren. Wir haben somit den Alpen­rhein bei Alten­rhein, den Seer­hein im Boden­see und den Hoch­rhein in Stein am Rhein erle­ben dür­fen. Der Rhein 3 in 1 – und nur ein klei­nes Stück der ins­ge­samt 1232km von Quel­le bis zur Mün­dung. Mit die­ser Län­ge ist der Rhein nur knapp halb so lang wie die Donau. Btw, wer hät­te gedacht, dass ich den Rhein 13 Mal in nur sechs Sät­ze rein­pa­cken kann?

Rhein AltenrheinHier fließt der Rhein bei Alten­rhein in den Boden­see rhein rein

Trotz der Emp­feh­lun­gen von Rad­rei­se­füh­rern sind wir nicht im Uhr­zei­ger­sinn um den Boden­see gera­delt – wir schwim­men gegen den Strom! Also zuerst durch die Schweiz (72km Ufer­län­ge), dann Öster­reich (27km) und zum Schluss durch Deutsch­land (173km). Aller­dings geht es nur rela­tiv wenig am Boden­see-Ufer ent­lang. Die­se wahr­schein­lich viel schö­ne­re Stre­cke ist den Wan­de­rern und der sons­ti­gen Tier- und Pflan­zen­welt vor­be­hal­ten.

Im Ufer­be­reich sind näm­lich vie­le Natur­schutz­ge­bie­te (NSG) aus­ge­wie­sen, die mit weit­läu­fi­gen Schilftep­pi­chen, Feucht­wie­sen und Auwäl­dern einen per­fek­ten Lebens­raum für vie­le Zug- und Brut­vö­gel, sel­te­ne Pflan­zen­ar­ten und alles, was kreucht und fleucht , bie­tet. Eines davon war z.B. das Natur­schutz­ge­biet Erma­tin­ger Becken kurz vor Kreuz­lin­gen, in dem sich je nach Was­ser­stand bis zu 40.000 Was­ser- und Wat­vö­gel auf­hal­ten.

Ermatinger BeckenSchar­fer Hah­nen­fuß an Schilf ange­macht mit Drei­er­lei –ein Augen­schmaus im Natur­schutz­ge­biet Erma­tin­ger Becken

Zwi­schen Schie­nen und Stra­ße ein­ge­engt, oft ohne Boden­see­blick, ging es auf bes­tens geteer­ten Wegen in Renn­rad­tem­po Rich­tung „Rein­rhein“. Glück­li­cher­wei­se kamen wir ab und zu durch wirk­lich idyl­li­sche Dörf­chen mit traum­haf­ten Fach­werk­häus­chen, pom­pö­sen Vil­len und nied­li­chen Schlös­sern vor­bei. Man wäre das super so eine Immo­bi­lie zu besit­zen! Vor allem, die klei­nen Details haben uns zum Anhal­ten und Fan­ta­sie­ren gebracht, wie die­ser Dra­che, der eines der schöns­ten Fach­werk­häu­ser der Schweiz bewacht.

DrachenburgDie Dra­chen­burg im Kur­ort Gott­lie­ben – ein geseg­ne­ter und gut bewach­ter Ort

Auch die in vol­ler Blü­te ste­hen­den Apfel­bäu­me waren ein wah­rer Hin­gu­cker. Flower Power en mas­se! Sobald man etwas den Berg erklimmt, hat man eine wun­der­ba­re Sicht auf den Boden­see.

Panorama Bodensee SchweizStef­fen’s wei­ter Blick über den Unter­see

Die her­vor­ra­gen­de Aus­schil­de­rung mit gel­ben Fahr­rä­dern zu unse­ren Füßen und roten Schil­dern über unse­ren Köp­fen konn­ten wir uns nicht ver­fah­ren. Data Roa­ming ist in der Schweiz sowie­so nicht zu emp­feh­len – wie vie­le schon am eige­nen Porte­mon­naie erfah­ren muss­ten. Das GPS-Gerät, das wir tes­te­ten, woll­te uns zudem immer auf die Haupt­stra­ße lei­ten und piep­te fast unun­ter­bro­chen. War am Anfang ganz lus­tig, aber irgend­wann haben wir das Fehl­leit­sys­tem ein­fach abge­schafft.

Beschilderung SchweizImmer den roten Schil­dern nach, zumin­dest in der Schweiz

In unse­rer kur­zen Snack­pau­se in Romans­horn haben wir nach der tiefs­ten Stel­le im Boden­see Aus­schau gehal­ten. Lei­der konn­ten wir die 254m unter der Ober­flä­che ver­steck­te Stel­le nicht ent­de­cken – da konn­te auch nicht das GPS-Gerät hel­fen, obwohl es sich fast wie ein Echo­lot anhört.  

Der gro­ße Schock stand uns nach über 115 geve­lo­ten Kilo­me­tern erst bevor: Der Öko-Cam­ping­platz „Mexi­co“ in Bre­genz war aus­ge­bucht! Das konn­te selbst die Besit­ze­rin nicht her­vor­se­hen, die erst 36 Stun­den in die­sem Jahr offen hat­te – mit 200 Anru­fen und 100 E‑Mails hat­te sie in der ers­ten Woche ein­fach nicht gerech­net. Eine E‑Mail war die unbe­ant­wor­te­te von uns. Nach eini­gem Suchen haben wir uns dann ent­schlos­sen, ein paar wei­te­re Kilo­me­ter auf uns zu neh­men und nach Lin­dau zu radeln. Dort konn­ten wir dann glück­lich und legal unser Zelt auf­schla­gen.

Zeltplatz LindauSchick schick unser Hub­ba Hub­ba

Nach einer ordent­li­chen Por­ti­on Nudeln mit Toma­ten­so­ße von unse­rem Gas­ko­cher gezau­bert und der obli­ga­to­ri­schen Knif­fel­par­tie haben wir uns schnell ins Land der Träu­me auf­ge­macht.

Am Sonn­tag­mor­gen haben wir nach einem reich­hal­ti­gen Früh­stück die Zel­te abge­bro­chen und uns an die zwei­te Etap­pe gemacht.

Frühstück LindauMmmmh Hafer­schleim – unser neu­es Lieb­lings­es­sen

Als ers­tes stand ein biss­chen Sight­see­ing auf dem Stun­den­plan: mit­tel­al­ter­li­che Gemäu­er in der his­to­ri­schen Insel­stadt Lin­dau. Das baye­ri­sche Juwel protzt mit deka­den­ten Hotels und reich ver­zier­ten Gebäu­den. Vor allem das Alte Rat­haus hat uns sehr gut gefal­len.

Genug gebum­melt und wei­ter­ge­fah­ren über die ältes­te Kabel­hän­ge­brü­cke Deutsch­lands, die bereits seit 1897 in Betrieb ist. Wir haben einen kur­zen Abste­cher ins Natur­schutz­zen­trum Eris­kir­cher Ried gemacht. Das Eris­kir­cher Ried bie­tet zwi­schen Ende Mai und Mit­te Juni ein blau­es Blü­ten­meer ver­ur­sacht durch die Sibi­ri­sche Schwert­li­lie. Scha­de, dass es erst Ende April ist! Aber das Ansichts-Bie­nen­volk und Infos zur Unter­was­ser­welt konn­ten das wie­der wett­ma­chen.

In einem Fried­richs­ha­fe­ner Park haben wir im Schat­ten einer Pal­me schon fast Mit­tel­meer­fee­ling und gönn­ten uns eine etwas län­ge­re Pau­se. Wir haben neben dem erns­ten Blick von Kai­ser Wil­helm unse­re zwei­te Rati­on Nudeln mit Toma­ten­so­ße gekocht.

Nudeln mit Toma­ten­so­ße – Leib­spei­se Num­mer 2

Wie­der auf den Rädern und nach eini­gem Gedrän­gel durch 100rte bun­te Männ­chen in knall­pin­ken, gift­grü­nen oder quietsch­gel­ben Anzü­gen, Stau durch 1000nde Fami­li­en, Rent­ner und Rad­fahr­an­fän­ger, und Durch­schlän­geln durch 10.000nde Tou­ris­ten, waren wir etwas ent­nervt. Des­we­gen war es gut, als wir nach Lud­wigs­ha­fen über die Fel­der ganz in Ruhe zurück nach Sin­gen gera­delt sind.

Wir – nach 210 km nun kurz vorm Ende, dem ehe­ma­li­gen Anfang der Fahrt in Sin­gen

Unse­re Refle­xi­on zur Gene­ral­pro­be: Trotz top Wet­ter war die Tour durch­wach­sen – sowohl phy­sisch als auch psy­chisch. Also eine rich­ti­ge Gene­ral­pro­be.

Was lief gut? Das Radeln macht uns bei­den jede Men­ge Spaß – es ist schon fast medi­ta­tiv. Zudem waren wir uns beim Weg meis­tens einig…

Was kann ver­bes­sert wer­den? Unse­re Aus­rüs­tung ist noch nicht per­fekt und unse­re Aus­dau­er auch nicht. Die 220 km haben uns eine Mus­kel­ka­ter­ga­ran­tie mit­ge­ge­ben.

Wir freu­en uns die klei­nen Ver­bes­se­run­gen zu machen und sind super gespannt auf unser klei­nes Aben­teu­er am Anfang des gro­ßen Aben­teu­ers.

#Boden­see­rund­weg #Boden­see #Lin­dau #Aben­teu­er #rad­tour #vau­de #leaf­and­sea #natur­schutz­ge­biet #son­ne #mus­kel­ka­ter #son­nen­brand #pas­ta #cam­ping #zel­ten #test­fahrt #aus­ru­es­tung

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hey ihr, habe so neben­bei mit­be­kom­men dass ihr eine Fahr­rad­welt­rei­se vor­habt und fin­de das Pro­jekt gross­ar­tig! Wohin soll es gehen? Ich hab noch die Berich­te unse­res Trips damals auf dem Com­pu­ter, das Blog ist nicht mehr online, aber falls euch das inter­es­sie­ren soll­te kann ich ger­ne mal ne Mail schi­cken! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen