Montenegro – Das Land der schwarzen Berge

Montenegro – Das Land der schwarzen Berge

Mon­te­ne­gro, das Land der schwar­zen Ber­ge, war für zwei Mona­te unser Zuhau­se. Im Sep­tem­ber und Okto­ber 2018 haben wir die Mög­lich­keit gehabt, vie­le Ecken und Kan­ten die­ses Lan­des und sei­ner Men­schen zu erle­ben. Komm mit uns auf eine Ent­de­ckungs­tour in die­se Per­le der Adria. Die­ses Mal berich­tet Stef­fen  für euch.

Nationalparks

Mein Freund Tho­mas und ich sind auf einer Mis­si­on. Es ist die Bestei­gung des Bobo­tov Kuk. Er ist der höchs­te Berg Mon­te­ne­gros. Mit 2522 Höhen­me­tern ragt er über alle sei­ne knapp 50 2000er-Gip­fel­ge­nos­sen im Dur­mi­tor Natio­nal­park empor.

Ser­pen­ti­ne um Ser­pen­ti­ne geht es mit dem Miet­au­to höher hin­auf. Tho­mas erzählt mir von sei­ner Zeit in Deutsch­land. Er hat 10 Tage Urlaub genom­men um mich und Vivi zu besu­chen und Mon­te­ne­gro zu erkun­den. Vivi wird uns auf die­ser Mis­si­on jedoch nicht beglei­ten, da sie bereits wie­der im Süden Mon­te­ne­gros ist. An einer Hal­te­bucht auf 1908 Höhen­me­tern stel­len wir das Auto ab. Ein Ran­ger kommt auf uns zu und wir bezah­len ein paar Euro Natio­nal­park­ge­bühr. Wir sind bereit zum Los­wan­dern.

Gut aus­ge­schil­dert geht es mit seich­ter Stei­gung durch ein Tal hin­durch. Links und rechts tür­men sich bereits die Ber­ge auf. Etwas wei­ter oben hat eine klei­ne Geröll­la­wi­ne den Weg ver­schüt­tet und wir krab­beln auf allen vie­ren über die klei­nen Stein­chen wei­ter. Kurz vor dem Gip­fel wird es gefähr­lich. Wenn man nicht auf­passt, liegt man dem Berg in ein paar Sekun­den zu Füßen. Mit den Hän­den fest am Hilfs­seil erklim­men wir vol­ler Ehr­furcht den Bobo­tov Kuk. Die 2,5 Stun­den die­ses müh­sa­men Auf­stiegs haben sich gelohnt. Eine atem­be­rau­ben­de Aus­sicht erwar­tet uns.

Ich bin fas­zi­niert von den schrof­fen Fel­sen, die in den blau­en Him­mel hin­ein­sto­ßen. Ich ent­de­cke drei Gäm­se, die in wag­hal­si­gen Manö­vern von Fels zu Fels sprin­gen, immer nur einen Tritt vom Abgrund ent­fernt. Mit tie­fen Zügen atme ich die fri­sche Berg­luft ein. Die Ruhe, die sich in mir aus­brei­tet, scheint nicht von die­ser Welt zu sein.

Der mäch­ti­ge Gip­fel des Bobo­tov Kuk

Schwar­ze Ber­ge ragen zum Him­mel empor

Einer der 18 blau­en Glet­scher­se­en im Natio­nal­park Dur­mi­tor

Ich packe mei­nen Kof­fer…

Eine wei­te­res „Must Do“ im Dur­mi­tor Natio­nal­park ist der Schwar­ze See (Crno Jeze­ro), dem größ­ten der 18 Glet­scher­se­en. Von hier aus hat man einen wun­der­ba­ren Blick auf den Berg Meded mit sei­nen stol­zen 2287 Metern. Nach einer Umrun­dung des Sees haben wir uns eine Klei­nig­keit im angren­zen­den Restau­rant gegönnt.

Auch eine klei­ne Wan­de­rung zum See Zmin­je Jeze­ro lohnt sich. Die­ser klei­ne, grün schim­mern­de See ist umge­ben von tief­grü­nen Fich­ten.

Doch nicht nur in der Höhe, son­dern auch in der Tie­fe ist der Dur­mi­tor Natio­nal­park ein­zig­ar­tig. Er ist näm­lich auch Hei­mat der tiefs­ten Schlucht Euro­pas, der Tara-Schlucht. In man­chen Abschnit­ten ist sie sagen­haf­te 1600 Meter tief! Auf einer Raf­ting­tour und in der Vogel­per­spek­ti­ve haben wir die­sen Can­yon erkun­det.

Auch die Was­ser­am­seln sind begeis­tert von dem glas­kla­ren, lecke­ren Was­ser. Wir haben 8 von ihnen auf unse­rer zwei­ein­halb­stün­di­gen Raf­ting­tour ent­deckt. Es glich aller­dings eher einer gemüt­li­chen Boots­tour, da wenig Was­ser und somit weni­ge Strom­stel­len auf uns war­te­ten. Ab Mai ist wohl die bes­te Zeit um ein rich­ti­ges Raf­ting­ge­fühl mit Adre­na­lin pur zu bekom­men. 

Die Tara-Brü­cke, bezie­hungs­wei­se ihr Schat­ten

Die Tara-Schlucht ist nicht nur die tiefs­te, son­dern mit ihren 78km auch die längs­te. Auch in Sachen Ursprüng­lich­keit ist sie auf Platz 1. Natur pur!

Neben dem Dur­mi­tor Natio­nal­park gibt es vier wei­te­re Natio­nal­parks: Lov­cen, Ska­dar­see, Pro­kle­ti­je und Bio­grads­ka Gora. Alle außer den letz­ten konn­te ich erkun­den. In allen von ihnen fin­den sich wun­der­schö­ne Ber­ge. Ich habe das Gefühlt, dass man egal von wel­chem Punkt aus in Mon­te­ne­gro immer einen Berg sehen kann. Da macht Mon­te­ne­gro sei­nem Namen alle Ehre: der schwar­ze Berg.  

Im Natio­nal­park Lovćen war ich auch mit Tho­mas unter­wegs. Die run­de Platt­form ganz oben auf der zweit­höchs­ten Erhe­bung auf 1.655 Metern, dem Jezer­ski Vrh, grenzt an das Mau­so­le­um des Schrift­stel­lers und Fürs­ten­bi­schofs Petar II ali­as Njegoš. Die­ser hat gro­ßes für Mon­te­ne­gro erschaf­fen, näm­lich u.a. den ers­ten Senat. Zwei gro­ße Frau­en­sta­tu­en behü­ten den Ein­gang sei­nes Mau­so­le­ums.

Auf der Platt­form hat uns eine gran­dio­se Aus­sicht erwar­tet. Noch mehr waren wir aller­dings von den Muse­en in der Mon­te­ne­gros ehe­ma­li­ger Haupt­stadt Cetin­je ange­tan.

Die­sen Blick auf den Natio­nal­park Ska­dar­see gab es, nach­dem wir über eine ein­spu­ri­ge Ser­pen­ti­nen-Stra­ße genom­men haben. 

Den Natio­nal­park Pro­kle­ti­je haben Vivi und ich an einem auf­re­gen­den Wochen­en­de besucht. Hier gibt es ein klei­nes Video dazu.

Kurz vor dem Drei­län­der­gip­fel Tro­med­ja zwi­schen Alba­ni­en, dem Koso­vo und Mon­te­ne­gro. 

Weitere Naturperlen

Wei­te­re Natur­per­len waren für uns das Gebir­ge von Luka­vi­ca nörd­lich von Nikšić, der zweit­größ­ten Stadt in Mon­te­ne­gro, die Bucht von Kotor, eine Esels­farm bei Pod­go­ri­ca und natür­lich Ulcinj mit sei­nem lan­gen Strand, Ada-Boja­na, dem Shas-See, der Sali­ne Ulcinj und Vald­anos.

Das Gebir­ge von Luka­vi­ca steht bei vie­len Tou­ris­ten nicht auf dem Plan. Doch zum Wan­dern eig­net es sich bes­tens.

Und wo bekommt schon so einen Regen­bo­gen zu sehen? Von Gold­topf zu Gold­topf!

Micha­el und Micha­el in Action.

Auf einer Tour zum Gebir­ge von Luka­vi­ca durf­ten Vivi und ich als Sta­tis­ten in einem klei­nen Pro­mo-Video dabei sein. Hier könnt ihr es sehen.

Die Bucht von Kotor hat ihren beson­de­ren Reiz. Man hat das Gefühl, dass die Ber­ge aus dem Was­ser sprie­ßen.

Auch unser Aus­flug auf die berühm­te Esels­farm von unse­rem Bekann­ten Dar­ko war ein High­light. Dar­ko hat sich hier einen Traum ver­wirk­licht und lässt an Sonn­ta­gen die Öffent­lich­keit dar­an teil­ha­ben. Den Erlös der ver­kauf­ten Esels­milch spen­det er an sozia­le Pro­jek­te. Doch nicht nur hier enga­giert er sich: Er ist Begrün­der des Mon­te­ne­gri­ni­schen Umwelt- und Vogel­schutz­ver­eins CZIP und er setzt sich seit vie­len Jah­ren für die Sali­ne Ulcinj ein. Hier ist die face­book-Sei­te.

Wir haben dort in gesel­li­ger Run­de die­se Sat1-Doku über Mon­te­ne­gro geschaut.

Ulcinj und Umgebung

Unser Haupt­auf­ent­halts­ort war Ulcinj, eine Stadt umge­ben von Natur­schät­zen:

Der 13km Lan­ge Strand (Veli­ka Pla­za) ist vor allem bei Tou­ris­ten aus Ser­bi­en, Russ­land und Eng­land sehr beliebt. Sand und Son­ne so viel man möch­te. Doch auch für Natur­tou­ris­ten gibt es hier etwas zu sehen: die Sand­dü­nen, die gro­ßen Nadel­bäu­me und die Mit­tel­meer­mö­wen. Nur noch einen Stein­wurf nach Alba­ni­en ent­fernt grenzt die Insel Ada-Boja­na an den Lan­gen Strand an. Hier gibt es nicht nur nack­te Son­nen­an­be­ter (FKK), son­dern auch natür­li­che Wäl­der.

Wir haben unse­re Zeit lie­ber in den Stein­buch­ten näher am Zen­trum von Ulcinj ver­bracht. Ein High­light ist der Wan­der­weg von dort ent­lang der fel­si­gen Küs­te bis zum lan­gen Sand­strand. Wenn man möch­te kann man anschlie­ßend mit dem Boot zurück zur Alt­stadt fah­ren.

Nur eini­ge Hun­dert Meter hin­ter dem Lan­gen Strand befin­det sich die Sali­ne Ulcinj (Ulcin­js­ka Sola­na), ein wah­res Ruhe- und Vogel­pa­ra­dies und der Haupt­grund, war­um wir zwei Mona­te in Ulcinj ver­bracht haben. Einen sepa­ra­ten Blog­ein­trag hat Vivi hier dazu ver­fasst. 

Etwas wei­ter außer­halb befin­det sich der Shas-See (Shas­ko Jeze­ro). Ein klei­nes Natur­idyll, dass mit sei­nen Kir­chen­rui­nen schö­ne Foto­mo­ti­ve bie­tet.

Per­fekt insze­nier­te Boo­te in der Vald­anos-Bucht

Die Vald­anos-Bucht

Mein Lieb­lings­ort in ganz Ulcinj war aller­dings die Vald­anos-Bucht. Der Plan war eigent­lich hier tau­chen zu gehen und mei­nen Dive­mas­ter zu machen, aller­dings hat­te die bereits im Mai orga­ni­sier­te Tauch­schu­le doch wegen tech­ni­schen Pro­ble­men geschlos­sen. Statt­des­sen habe ich mich mit Schnor­cheln und Free­di­ving ver­gnügt.

Oli­ven­bäu­me in Vald­anos

Doch nicht nur die Bucht und das azur­blaue Was­ser machen Vald­anos zu etwas Beson­de­rem. Hier gibt es auch tau­sen­de von jahr­hun­der­te­al­ten Oli­ven­bäu­men. Man­che sogar bis zu 2000 Jah­re alt! Auch nicht ver­pas­sen soll­te man die uralten Stein­brun­nen, die man par­al­lel zur Teer­stra­ße fin­den kann.

Eine wei­te­re span­nen­de Attrak­ti­on ist das kom­mu­nis­ti­sche, ver­fal­le­ne Resort direkt an der Vald­anos­bucht. Die tur­bu­len­te Geschich­te die­ser Bucht hat sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Das rie­si­ge Feri­en­pa­ra­dies ist nach dem Zer­fall Jugo­sla­wi­ens eben­falls zer­fal­len. Es soll­te als Mili­tär­stütz­punkt die­nen, dann doch als Luxus­re­sort wie­der­be­lebt wer­den, doch nun  liegt es immer noch brach.

Schaut unse­re Bil­der­ga­le­rie unten dazu genau an. Ihr könnt die Orte näm­lich in dem Image-Film aus den 80igern wie­der­ent­de­cken. Sehr span­nend die Geschich­te die­ses Ortes spü­ren zu kön­nen. Hier geht es nun zum Image-Film des Camp Vald­anos. Wenn ihr mehr zu den Hin­ter­grün­den des Camp Vald­anos erfah­ren möch­tet, könnt ihr das hier (lei­der nur auf Eng­lisch).

Sehenswerte Städte

Doch nicht nur die Natur Mon­te­ne­gros ist sehens­wert und hat mich begeis­tert. Nein, auch eini­ge Städ­te haben ihre Geschich­ten zu erzäh­len. Pod­go­ri­ca hat uns von sei­nem Flair nicht wirk­lich über­zeugt, wes­we­gen wir mal mehr auf die ande­ren Städ­te ein­ge­hen.

Kreuz­fahrt­schif­fe fül­len die UNESCO Kul­tur­er­be-Stadt Kotor mit Tou­ris­ten

Kotor ist eine davon. Mit ihren alten Kir­chen, der gut erhal­te­nen, knapp 5km lan­gen Stadt­mau­er und  dem Berg Sve­ti Ivan mit der Fes­tungs­an­la­ge über der Stadt gibt es eini­ges zu ent­de­cken.

Blick von Bars Alt­stadt

Eine wei­te­re Küs­ten­stadt ist Bar. Wer schon ein­mal auf dem Hoh­ent­wiel in Sin­gen war, kann sich die Alt­stadt Bars, die lei­der seit einem Erd­be­be in 1976 nicht mehr bewohnt wird, unge­fähr vor­stel­len. Der Unter­schied ist aber die Lage. Zur einen Sei­te die über 1000 Meter hohen Ber­ge des Rumi­ja-Gebir­ges, zur ande­ren das Meer. Hier habe ich einen Tauch­gang zu einem Wrack gemacht. Zudem haben wir zwei Second Hand Läden mit far­ben­fro­hen Kla­mot­ten und eine ortho­do­xe Kir­che mit bun­ten Fres­ken besucht.

Blick von oben auf die Alt­stadt Ulcin­js

In der Küs­ten­stadt Ulcinj gibt es eine 2000 Jah­re alte Fes­tung. Über ver­schlun­ge­ne Wege kann man die Alt­stadt und ihre stei­ner­ne Ver­gan­gen­heit erkun­den. Da hier ca. 75% der Bevöl­ke­rung alba­ni­schen Ursprungs sind, gibt es hier auch im Gegen­satz zu vie­len ande­ren mon­te­ne­gri­ni­schen Städ­ten Mosche­en und sogar einen alten Hamam.

Außer der Atstadt ähnelt Ulcinj aller­dings den ande­ren Städ­ten: vie­le Hotel- und Apart­ment­kom­ple­xe. Beton und Teer haben sich auch hier breit­ge­macht. Und vie­le streu­nen­de Kat­zen und Hun­de und Abfall lei­der auch.

Umwelt und Leben in Montenegro

Somit wären wir beim nächs­ten The­ma: Umwelt und Leben in Mon­te­ne­gro. Durch unse­re Rei­se­er­fah­run­gen im Bal­kan haben wir uns bereits an die nicht sehr „deut­schen“ Ver­hält­nis­se gewöhnt: Müll über­all, Strom- und Was­ser­aus­fäl­le, hupen­de und stin­ken­de Autos.

Das passt zu unse­rem, aller­dings eigent­lich nicht zu Mon­te­ne­gros Bild über sich selbst. Denn Mon­te­ne­gro hat sich bereits 1991 zum Umwelt­staat erklärt. Die Hand­lun­gen der Regie­rung und der Bevöl­ke­rung pas­sen jedoch nicht dazu. Und die EU ist auch nicht gera­de ange­tan über die Fort­schrit­te bezüg­lich dem Umwelt­schutz und ‑manage­ment. Mon­te­ne­gro möch­te näm­lich EU-Mit­glieds­staat wer­den und hat dafür noch eini­ges zu erle­di­gen in den nächs­ten Jah­ren.

Das Abfall­ma­nage­ment ist ein gro­ßes Pro­blem. Fast über­all wo man hin­schaut fin­det man Müll: Was­ser­fla­schen, Scho­ko­rie­gel­ver­pa­ckun­gen, Ener­gy Drink Dosen, Plas­tik­tü­ten, Ziga­ret­ten­stum­mel, … Vor allem an Stra­ßen­rän­dern, unbe­bau­ten Grund­stü­cken und an Flüs­sen wird man fün­dig. Das schlim­me: Plas­tik wird die Erde nie wie­der los! Ein­mal in der Umwelt wird es nur klei­ner und klei­ner und kommt irgend­wann über die Nah­rungs­ket­te zu uns zurück. Davor sam­melt es sich aber z.B. In rie­si­gen Plas­tik­stru­deln im Meer an oder wird wie­der zurück an Land geschwemmt.

Im Sep­tem­ber haben wir des­we­gen an dem Inter­na­tio­nal Coas­tal Cleanup Day teil­ge­nom­men und mit 15 wei­te­ren enga­gier­ten Men­schen 300m Küs­te in Ulcinj gesäu­bert. Wir haben säcke­wei­se Müll gesam­melt. Das tra­gi­sche dabei: Nach nur einer Woche mit einem klei­nen Sturm war die gesam­te Küs­te wie­der voll mit Plas­tik­fla­schen, kaput­ten Gar­ten­stüh­len, Flip­flops etc.

Des­we­gen haben wir wo es nur ging Plas­tik ver­mie­den. Beim Bäcker, auf dem Markt, im Super­markt. Immer hat­ten wir unse­re Baum­woll­tra­ge­ta­schen dabei.

Lei­der war das Lei­tungs­was­ser ein wei­te­res Pro­blem­kind, meis­tens nicht wirk­lich trink­bar, wes­we­gen wir öfter 6l-Wass­ser­be­häl­ter kau­fen muss­ten. Dazu bei­getra­gen hat auch, dass es in ganz Ulcinj zwei Mal für 1–2 Tage gar kein Was­ser aus der Lei­tung gab. So haben wir auch erfah­ren, dass es wöchent­li­che Lie­fe­run­gen von Was­ser gibt, die in Trans­por­tern her­ge­fah­ren wer­den. Ver­rück­te Welt.

Auch beim Strom gab es ab und zu einen Aus­fall. Das fan­den wir nicht schlimm. Was aller­dings schlimm ist, ist die Ver­sor­gung mit Nicht-Erneu­er­ba­ren-Ener­gi­en. In Mon­te­ne­gro gibt es trotz dem star­ken Wind nur einen voll­ende­ten Wind­kraft­park mit 26 Wind­kraft­an­la­gen in Krno­vo in der Nähe von Nik­sic.

Der Mozu­ra Wind­park zwi­schen Bar und Ulcinj ist seit Ende 2018 in Betrieb. 32 Wind­kraft­rä­der im Wert von 40 Mil­lio­nen Euro pro­du­zie­ren 46 MW grü­ne Ener­gie. Lei­der ist Solar­ener­gie noch nicht so en vogue.

Was­ser­kraft dafür um so mehr, aller­dings ist das nicht gera­de erfreu­lich, da es in Mon­te­ne­gro noch tol­le, noch natur­be­las­se­ne Flüs­se mit ende­mi­schen (nur hier vor­kom­men­den) Fisch­ar­ten gibt. Die Kam­pa­gne „Save the Blue Heart of Euro­pe“ von Euro­Na­tur macht auf die Pro­ble­ma­tik der Was­ser­kraft­wer­ke auf­merk­sam. Im gesam­ten Bal­kan­ge­biet sind über 2800 geplant!

Eine Sache, über die wir uns schon seit Anfang an im Bal­kan gewun­dert haben, ist das Leben hier. Der Durch­schnitts­lohn beträgt unge­fähr 400 Euro in Mon­te­ne­gro. Aber das Essen ist min­des­tens genau­so teu­er wie in Deutsch­land, eher noch teu­rer. Es müs­sen näm­lich vie­le Sachen impor­tiert wer­den, da es in Mon­te­ne­gro kaum ver­ar­bei­ten­de Indus­trie gibt. Bei Lidl könn­te man sogar güns­ti­ge­re und öko­lo­gi­sche­re Lebens­mit­tel kau­fen!

Auch die Wohn­kos­ten sind im Gegen­satz zum Gehalt hor­rend! In der Hoch­sai­son ist es schwie­rig über­haupt eine bezahl­ba­re Woh­nung in den Küs­ten­städ­ten zu fin­den. Im Win­ter heizt man sich durch die schlech­te Iso­lie­rung trotz mil­dem Kli­ma dumm und däm­lich. Des­we­gen woh­nen vie­le noch bei ihren Eltern. Ver­ständ­li­cher­wei­se.

Der Traum für vie­le jun­ge Men­schen: Aus­wan­dern. Wir haben unzäh­li­ge Men­schen in unse­rem Alter getrof­fen, die sich das Leben in einem euro­päi­schen Land erhof­fen. Egal ob in Novi Sad, Skop­je oder Ulcinj. Die, die blei­ben, leben meis­tens vom Tou­ris­mus. Vor allem in den Küs­ten­städ­ten. Und dem geht es rela­tiv gut, nicht so gut wie noch zu den jugo­sla­wi­schen Zei­ten, aber auch nicht schlecht.

Apro­pos Jugo­sla­wi­en… Jugo­sla­wi­en ist für vie­le, die wir getrof­fen haben, eine bes­se­re Zeit gewe­sen: mehr Indus­trie, mehr Arbeit, mehr Frei­heit, mehr Ein­heit. Die trau­ri­gen Hin­ter­las­sen­schaf­ten aus der Zeit bemerkt man über­all: Ver­las­se­ne Hotel­kom­ple­xe wie in Vald­anos oder Ada-Boja­na, der Inge­nieur, der nun einen klei­nen Super­markt betreibt oder der Onkel, der in Deutsch­land arbei­tet.

Zurück in die Gegen­wart und ran an die Hupen. Die Mon­te­ne­gri­ner lie­ben näm­lich Hupen. Das Hupen wohl­ge­merkt. Ich habe tag­ein tag­aus Ner­ven­zu­sam­men­brü­che des­we­gen erlit­ten. Hupen haben die Mon­te­ne­gri­ner näm­lich per­fek­tio­niert. Es ist eine rich­ti­ge Spra­che ent­stan­den. Das genia­le: jeder ver­steht sie! Hier ein paar Aus­drü­cke:

  1. Kur­zes, freu­di­ges Hupen (1−2 Mal): „Hal­lo!“ (meis­tens inner­halb der Stadt und bei lang­sa­mem Tem­po, wenn man in Cafés oder auf dem Bür­ger­steig Bekann­te ent­deckt)
  2. Län­ge­res auf­dring­li­ches Hupen mit kur­zen und lan­gen Hups: „Aus dem Weg!“ Oder „Mach mal hin­ne!“ (kommt sehr oft vor)
  3. Kur­zes Hupen: „Vor­sicht, ich kom­me!“ (Vor allem bei Rad­fah­rern auf glei­cher Höhe im Über­hol­vor­gang ver­wen­det)
  4. Kur­zes Hupen: „Dan­ke!“ (Nach 2. oder 3. anzu­wen­den, wenn alles funk­tio­niert hat und nichts pas­siert ist)
  5. Ein paar mal kurz und ein paar Mal lang in dem Rhyth­mus Huuup, hup hup huuup: „Tschüss!“

So schlie­ße ich nun auch mit einem Huuup hup hup huuup ab und hof­fe, dass unse­re Ein­bli­cke in das Land der schwar­zen Ber­ge euch gefal­len haben.

Umfang­rei­che Infor­ma­tio­nen zu vie­len Sehens­wür­dig­kei­ten in Mon­te­ne­gro gibt es hier. und auch hier.

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